Kugellager

Rownd a Rownd a Rownd a Rownd
rund ist schön ist rund ist schön ist rund ist schön ist rund
Wir sind dem Arsenal entkommen. Das hortet zwar Schätze, aber wir geben einen aus. Ach was, einen? Wir geben zwei aus. Ach was, zwei? Wir geben drei aus. Ach was, drei? Wir geben vier aus. Ach was, vier? Wir geben fünf aus.
Mehr als 17 wurden's dann aber nicht.

Extrarunde: Die Kugel rollt runderweise

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Einmal abgeschossen, rollt die richtige Kugel ganz von allein. Treffsicherheit spielt in der Kunst keine Rolle, sondern ist das Rollen selbst.

 

Am 23. Hydref hatten wir bereits schwer grübelt, warum denn das Datum uns den Kopf zerbricht , hatten zugleich den Tag darauf in der einstmal bewusst fingierten DWR-ATiONALEN Arbeitsroutine avangiert, diesen darauften Tag aber am Tag darauf, also eben diesselbigen, damalsgemeinten Tag als unseren immergemeinten Tag vergessen. 

Artistic amnesia whilst wir von historic amnesia in German Post-Unification Film sprachen? 

Am darauften Tag des immergemeinten, schnurrt es uns in den Kopf: Das Wort passiert, Password. Oder Kleist: wir: Marionetten der Gedächtnisarbeit, voller unbewusster Grazie. Wir sind das immergemeinte, wie der Fluß im Fluß seiner als Fluß entrinnt also erinnert. Fluß, Dwrational, Christophorus. 

Dies datierte Zurückstolpern in Kleists Fußstapfen, dies Kleistsche Zurückstolpern in datiertem Fuße, dies stapfende Zurückstolpern zum Datum, außergewöhnlich langsam. Kein Fluss, eben stolpern, gegen die Strömung anstapfen. Vielleicht legen wir uns gleich dochnochmalhin statt schwimmen zu gehen? Und dann nach dem Frühstück Krafttraining statt vor dem Frühstück Ausdauer? 

Am immergemeinten Tag fließ noch heiße Trauer, ob über den Nicht-Gedachten oder über das Nicht-Gedenken. Jetzt Zweifel und petrustra amau Zweifel, ohne Punkt oder Komma. Erster dowtdywt: Warum seiner gedenken, wenn man damit seiner gedächte? Oder Perspektivwechsel zur Klarstellung: Warum seiner gedenken, wenn wir damit unser gedächten? Und anhielten, also nicht im Sinne von DWR-ATiONAL, sondern von stoppen, wie wir ja nach festem jedem Wort hier anhalten, jetzt gerade auch wieder, einzig das Anhalten selbst, wortpassiert ohne Zögern, weil es auch in Worten noch Anhalten ist. Andauernd passiert es, als wolle es uns zum Einhalten zwingen, weil es dem doch so nahesteht.

Zweiter dowtdywt ist bereits verflossen oder besser: verdorrt, während, weil, indem die Müdigkeit zäh wie sie ist zurück in die Unterarme strömt und ein wenig auch in die Lungen, während die Knie schmerznah glühen vom Denken. Sind wir wieder beim Prozessprotokoll? Heb amau. Wir denken an Schlaf dank Ohrstöpsel: Erinnerung und Krafttraining!

Die Bereitschaft etwas zu Ende zu bringen, liegt uns gerade fern. Unsere Ausrede ist das Prozessdenken. In dem Gedenken immerschongemeintistundvorliegt, also hinterundvorist.

Vor etwas mehr als drei Jahren unterschrieben wir das rote NWK-Entrittstocyn mit Christa Schlingensieg. Eigentlich höchst peinlich. Aber doch mit einer avangierten Treffsicherheit, weiß dieses fortgestolperte Kugellager. Jetzt: Bettlager. 

 

Dann: Ist Bangor ein Bettlager? Festung sagt man, und doch nur Zeltlager. 

 

Spielzeug oder Werkzeug?

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KUGELLAGER: Spielzeug oder Werkzeug. Wenn das Werkzeug spielt dreht sich der Schraubenzieher um sich selbst. 

 

ein vorwort schreibt sich immer erst als nachwort 

die katze fing die maus 

brachte sie ins haus 

und aus 

war‘s mit Realzeit 

jetzt also hier 

nachher 

vom danach aus zum davor hin 

 

Übergangsdichtung – das poetische Abwasser tropft in den nächsten Paragraphen über:  Dichtung der morgendlichen Nacht, Freiheit der Bettwärme. Holen einen die Gedanken ein oder wir sie? Schwupps, aus dem Leck (von englisch lack, mangeln, fehlen; hier: Dichtungsdichtung) entspringt discharge (afonydd tan rheolaeth), aka Flwcs

Einholen, der Gedanke holt sich denkend ein, erntet sich, denn es ist Herbst. Erntedank, oft gefeiert am Sonntag nach Martini (wir danken Wiki). Glaube, Rituale stiften Sinn: Als sich der Gedanke als Ernte einholte, lag das Leben noch still und noch nicht schon. Und wir ahnten nichts von Martini, in den wir hineinerwachten, buchstäblich und buchstäblich. Buchstäblich, denn heute ist tatsächlich Martini. Buchstäblich, denn heute wäre uns nicht Martini hätte uns nicht der dienstliche Gedanke von Mittwoch (toy or tool) eingeholt, uns tarifvertraglich freigestellten Werktätigen zum Werken gerufen. Der Ruf natürlich eigentlich das Echo vom Mittwoch; und ja: Es war der Ruf in den sich leerenden Raum der Zwischenstundenminuten, wo das Denken Schwung einholen kann, um sich gegen die Berge o’r Eryri werfen kann, um als Echo zu überleben – goroesi, das seine eigene Aussprache nur selten überlebt. Besinnlicher November. Zu Sinn kommen bzw. „-lich“: das Zeug haben, zu oder gar zum Sinn zu kommen. Geben wir dem Vorwort also eine Chance auch zu sich zu kommen. So ließe sich sagen, und ließe sich zunächst abstreiten (denn folgender Gedanke war schneller), dieses Vorwort sei keine Dichtung. Sie schauen nur nicht hin, sehen die Dichtung vor lauter discharge nicht. Sagen ließe sich, dass das Folgende ein weiteres Protokoll ist, zunächst nur eine Notizsammlung, aufgeschoben, eine to think list, Sichtung. 

 

Spielzeug oder Werkzeug? 

Spielzeug, zeugt das Spiel oder zeugt vom Spiel, oder zeigt‘s das Spiel oder das Spielen. 

Werkzeug zeugt das Werk oder zeugt vom Werk, oder zeigt’s das Werk oder das Werken? 

Frage: braucht es dazu zwei; zweimal. 

Zweitens, Hühnerei. Das Werk oder das Werkzeug. Das Spiel oder das Spielzeug. Was ist zuerst. Die Banalität holt das Denken ein, die Aufklärung die Nacht. Müllers heraklische Hydra bzw. hydrischer Herakles adelte die Banalität der Existenz, alles Folgende nur des Tadelns wert? Müllers Werk, wir söllten nur Spielen? Was schrieb Heidegger über das „Zeug“, das das Werk wie das Spiel teilen und natürlich: das Spielzeug ist ein Werkzeug des Spiels – fragt sich damit nur, was braucht was und was war zuerst? 

Die Geschichte des Wortes ist die seines Gebrauchs. Gebrauchswert für manche Kunstausschluss. Für manche ist Mode Kunst oder Kunstausschluss, Zeug einst (Quelle dwds): gewebter Stoff. Text (Benjamin), Sprache? Auch: festes Tuch. Dabei aber vor allem umgangssprachlich: etw. nicht näher Bezeichnetes. Dabei aber materiell, denn: Dinge, Geräte, Mittel, die einem bestimmten Zweck dienen (= tool), zugleich aber auch: 

    *                  b) [abwertend – laut dwds] wertlose Dinge, Kram 

    *                  c) [abwertend – laut dwds] unsinniges Reden, Tun, Unsinn 

Unser Text also vermutlich besinnliches Zeug. Und darin Spiel, behaupten wir einfach mal. Und darin dann doch einem bestimmten Zweck dienend, dem Spiel. Kunstbehauptung. Adelung des Banalen. 

Doch warum für etwas nicht näher Bezeichnetes auf die näheren Bezeichnungen blicken? Zeug und zeugen sollen gar nicht nur von zeigen kommen, sondern von ziehen (vermutlich kommt auch zeigen von ziehen): „eigentlich (im Hinblick auf den etymologischen Zusammenhang mit ziehen, s. unten) ‘was benutzt, was herangezogen wird’“ (dwds). Zeug befähigt also nicht nur, sondern ist harte Arbeit, daher im „asächs. gitiuh ‘Aufwand’“ und zeugt darin in seinen Bedeutungen die Formen der menschlichen Arbeit: „mhd. (ge)ziuc m. n. ‘Werkzeug, Gerät, Ausrüstung, Kriegsgerät, gerüstete Kriegerschar, Stoff, Material, Beweis, Zeugnis, Zeuge’“. Es gilt für den Krieg gerüstet zu sein. Materialschlachten. Auch in, bei, als, der Sprache. 

Das nicht näher Bezeichnete also doch bezeichnet. Dabei neben der Reproduktionskraft Krieg (Kapitalismus) auch agrarische Reproduktionskraft, denn im „aengl. getēog ‘Gerät’ in aengl. sulhgetēog ‘Pfluggerät’“ letzteres auch unter anderem Namen als Fluggerät bekannt, das dem Pferd als wahres Gefährt durchging. 

Hier sehen wir die „Substantivbildungen mit grammatischem Wechsel von h und g zum Stamm des unter ziehen (s. d.) behandelten Verbs. Aus der Grundbedeutung ‘das Ziehen, Ziehung, der Heranziehen (einer Sache)’ entwickelt sich das Wort zur Bezeichnung des zur Benutzung Herangezogenen. Daher auch mhd. (ge)ziuc ‘Ziehung vor Gericht’, und zwar das Beibringen des Beweises (‘das Beweisverfahren’) wie auch der zum Verfahren beigebrachte Mann (‘der Beweisende, Bewahrheitende’)“. So zogen auch wir den Surrealismus als Beweis gegen sich selbst an. Das war harte Arbeit. Wie auch dieser Text, der den November bezeugen will und dazu allerhand heranzieht. Ist das noch Spiel? Wahrheit ist es jedenfalls nicht, bloß Gewordenes, Sprachwerk. Zeugwerk. Unwort des dwds: Sprachwerkzeug. 

Wir sind müde, das Einholen war erschöpfend und eben nicht. Genug Kraft noch zum Springen. Werkzeuge und Spielzeug Frage bleibt Klassenfrage: Wer söllt, we wöllt spielen, wer werken? Im idiomatischen „das Zeug zu etw. haben ‘begabt für etw. sein’, fortifiziert sich das Privileg eine „Ausrüstung zu etw. [zu] haben’ (18. Jh.)“. Denn Talent allein reicht nicht, dass haben die drei Jahrhunderte gezeigt. Das neudeutsche Idiom aber zeugt von der verprivilegierten Sprache, die den Ideologien Werkzeug ist: Es entledigt sich der materiellen Grundlage. Daher rufen wir aus: 

 

Unsere ARSENALe, unsere KUGELLAGER müssen zum ZEUGHAUS werden, zu Gebäuden „zur Aufbewahrung von Ausrüstungen und Vorräten“! 

 

Nachwort. Nach dem Lesen Nachlesen nachlesen. Vorher Nachlese: Lesen Sie alles Portionsweise. Lesen Sie Romane wie eine Stadt voller Gedichte. Flanieren Sie Texte. Wer reist schon in einem Zug, exxen Sie den geraden Weg, die Diagonale. Ich esse gerade alles in kleinen Portionen, sonst wird mir schlecht. Ich ahnte anfangs, Spielzeug und Werkzeug wöllten konzeptionell eine Fluxusfrage sein, doch wagte ich nicht zu ahnen, dass sich wie immer alles so aus meinem Leben heraus in es hineinschreibt. Besinnliche Ernte. 

 

Statthalter

Erklärungsnot: Afongad versenken, moneymentale Befreiung, WoZZeck.
Materialien.